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111 Jahre

Weverij G.G. Delabie | Gent Ingooigem

Herzklopfen

Mit hochgekrempelten Ärmeln und direktem Blick steht er da, in der großen Halle, zwischen all seinen Webmaschinen. Ihr pochender Rhythmus erfüllt alles – Yves Valcke hat ihn längst verinnerlicht. Er ist einer der wenigen Weber, die hier in Belgien die jahrhunderte alte Tradition der Samtherstellung lebendig erhalten. Und er nimmt diese selbstgewählte Aufgabe sehr ernst. Einfach nur irgendeinen Samt oder gar Massenware zu produzieren käme für ihn nicht in Frage. "Was wir hier machen, kommt den handgewebten Samtkreationen des 18. Jahrhunderts sehr nahe, wie Velours de Gênes oder Velours de Lyon. Faszinierende Jacquardgewebe!"

Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, arbeitet er natürlich auch nicht mit irgendwelchen, sondern mit Drahtwebstühlen. "Sie sehen aus wie aus dem Museum, obwohl sie neueren Datums sind. Das Prinzip ist noch genau dasselbe wie bei den Webstühlen früherer Epochen." Er hat jedoch gute Gründe, bei seiner Arbeitsweise mit der überlieferten Technik zu bleiben. "Die Möglichkeiten sind enorm! Wir können viel mehr Farben verweben und müssen die Designer niemals farblich einschränken. Außerdem erzielen wir wesentlich feinere Samte, mit großer Dichte, können mehr Bindungsmuster einweben, und wir haben diesen subtilen Effekt der Schlingen. Und die Besonderheit ist, ein Teil der Schlingen eines Dessins wird wieder aufgeschnitten. Das erreicht kein anderer Webstuhl. Wie bei handgewebtem Samt – ich liebe das einfach. Voilà!"

Yves ist mit Leib und Seele Weber. Es knistert, wenn er von seinen Samten spricht. Die allerdings benehmen sich zum Teil recht divenhaft. "Die geringste Veränderung kann schon ausreichen, und ein Stoff ist plötzlich nicht mehr webbar. Zum Beispiel Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Oder einfach nur ein Farbwechsel. Oftmals läuft ein Gewebe etwa in Gelb gut auf dem Webstuhl, stellt man aber um auf Rot dann will die Maschine auf einmal nicht mehr. Nur weil das Garn durch die Farbpartikel – gerade bei Rot – eine winzige Idee härter ist. Schon gibt es Probleme mit der Fadenspannung und das Ganze funktioniert nicht mehr. Manchmal ist es wie verhext!"

Dazu muss man wissen, dass an jedem seiner 35 Webstühle 3200 Fadenspulen laufen. Das sachte Klackern, das man überall hört, erzeugen Gegengewichte, die an jeder Spule hängen, um die Spannung zu regulieren. Bei jedem Farb- oder auch Musterwechsel müssen alle 3200 Gewichte neu justiert werden. "Außerdem ist die Geschwindigkeit der Drahtwebstühle natürlich begrenzt. Wir können pro Maschine etwa 25 Meter geschnittenen Doppelsamt am Tag weben. Die Fäden müssen sich ja in Schlingen über die Stahlnadeln legen. Würde man schneller weben, würden sie zu heiß werden oder überall herumwirbeln. Sie sind ja nicht einmal einen Millimeter dick. Die Konkurrenz webt mit anderen Maschinen das Doppelte oder sogar 200 Meter am Tag." Doch die Konkurrenz interessiert Yves nicht. "Hier geht es einfach um die Liebe zum Stoff! Um Einzigartiges. Ich habe den Ehrgeiz, bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Als Weber dahin zu kommen, wo noch kein anderer zuvor war. Voilà! " Viel Geduld und Erfahrung ist gefragt, von Yves und von seinen Mitarbeitern. Und sehr viel Einfühlungsvermögen - in seine Maschinen, in die Garne, in jede einzelne Farbe. Und natürlich auch in die Designer. Das jedoch ist eine Sache, die auf Gegenseitigkeit beruht. "Für Zimmer + Rohde weben wir nun seit 1995 die Samte – und ich muss sagen, es ist mir ein Vergnügen! Sie haben nicht nur klare Vorstellung von dem, was sie wollen. Sie verstehen auch wirklich viel von dem, was sie tun. Wenn man auf diesem Level Samt kreieren will, muss man die technischen Grenzen des Möglichen kennen und akzeptieren. Die Designer von Zimmer + Rohde besuchen uns hier und wir entwickeln jeden Stoff gemeinsam. Sie hören gut zu, wir hören gut zu. Ein Dialog. Ich glaube, wir brauchen uns gegenseitig. Das ist das Geheimnis des Erfolges… !"
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