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Gestaltungsideen

Alte Technik neu entdeckt

Kapitonieren

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten vor allem in Frankreich die immer aufwändigeren Polstertechniken der Damenmode auf dem Fuß: es wurde gerüscht und gerafft und mit Borten und Knöpfen jongliert. Aus einer alten Stepptechnik, die ursprünglich verhindern sollte, dass Wattierung und Polsterung verrutschten, entwickelte sich der „Style capitonné“ – zu Deutsch das Kapitonieren. Man nennt es auch Knopfheftung, denn in regelmäßigen Abständen werden Knöpfe oder auch kleine Stoffpuschel tief in die Polsterung hineingezogen und festgeheftet.

Die Ähnlichkeit mit einem Bauchnabel sorgte damals zunächst für erhitzte Gemüter. Doch nachdem 1878 auf der Pariser Weltausstellung ein „Salon de repos“ gezeigt wurde, dessen gesamtes Sitzmobiliar – in pfauenblauer und rosa Seide! – mit versenkten Polsterknöpfen gearbeitet war, ließ sich der neue Trend nicht mehr aufhalten. Kein Clubsessel kam mehr ohne aus, sogar in Eisenbahnwaggons der Luxusklasse saß man auf der neuen Polsterung. Leider war sie nicht allzu strapazierfähig und der Einzug der Moderne tat ein Übriges, sie wieder in Vergessenheit geraten zu lassen.

Doch nun entdeckt das Design die alte Handwerkstechnik neu und sie feiert ein Comeback. Die Vertiefungen bewirken vor allem bei glänzenden Bezugsstoffen ein interessantes Lichtspiel. In Schwarz oder Weiß wirkt das Kapitonieren besonders grafisch und edel. Ganz im Geist des Stilmix zeigt es sich jetzt auch auf geradlinigem, kubischem Mobilar – und verleiht ihm einen überraschenden Chic.

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